Griechenland: Religion kein Pflichtfach mehr
Warum müssen alle Änderungen der Religionsgesetzgebung durch den Europäischen Menschengerichtshof erzwungen werden?
Gegen den massiven Widerstand der orthodoxen Kirche in Griechenland hat die konservative Regierung am Mittwoch den Religionsunterricht als Pflichtfach an den öffentlichen Schulen aufgehoben. Künftig wird jeder Schüler, der nicht am Religionsunterricht teilnehmen möchte, während dieser Stunden Nachhilfe in anderen Fächern seiner Wahl erhalten, berichtete das Staatsradio. (Anmerkung: In manchen österreichischen Schulen sitzen ungläubige Kinder oder Schüler anderer Konfessionen während dieser Zeit am ungeheizten Gang!)
“Die Regelung ist falsch und verfassungswidrig”, hieß es dazu in einer Erklärung der orthodoxen Kirche. Dem entgegnet ein Regierungssprecher: “Die Regelung ist richtig, und sie entspricht den Verpflichtungen, die unser Land als EU-Mitglied hat.” (Quelle: Die Presse, 28.8.2008).
Auch diese Regelung ist noch keine Gleichbehandlung Nichtreligiöser, aber wenigstens ein Fortschritt. Die griechische Gesellschaft ist noch nicht bereit, sich etwa dem säkularen Vorbild Frankreichs anzuschliessen, meint der frühere griechische Ministerpräsident Konstantinos Simitis (siehe NZZ, 28.8.2008). Die orthodoxe Kirche Griechenlands strebt nach altem byzantinischem Vorbild Kulturhoheit und politische Machtfülle an. Aber welche Kirche tut das nicht…?
Aus unserer Sicht wäre in Österreich ein “Weltreligionen- und Weltanschauungsunterricht” für Kinder aller Glaubensrichtungen die einzig sinnvolle Maßnahme zur Durchsetzung des Artikel 9 der EMRK bzw. des Artikel 7 der Bundesverfassung. Denn schulpflichtige Kinder aller Bekennntnisse haben das Grundrecht auf Bildung und damit das Recht, zu erfahren, was die Glaubensinhalte der eigenen und anderer Religionen und Weltanschauungen sind um sich dann ihr eigenes Bild zu machen. Diese Regelung wird durch das Konkordat, einen gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßenden Vertrag mit der Monarchie Vatikan, der in Österreich Verfassungsrang hat, verhindert.



