In Linz beginnt’s: Kulturkampf um Kruzifixe
Die ÖVP der Stadt Linz hat am Dienstag eine Anzeige an die Landesbehörden geschickt, weil in den Gruppenräumen der Kindergärten und Horte die im oberösterreichischen Gesetz vorgesehenen Kreuze* nicht aufgehängt sind.
Berichte zu dieser Aktion finden sich beispielsweise auf ooe.orf.at oder auf atheisten.at.
Unser Problem damit: Kruzifixe in Klassenzimmern öffentlicher Schulen oder Kindergärten haben mit dem staatlich garantierten Prinzip freier Religionsausübung nichts zu tun. Denn Klassenzimmer sind keine Beträume. Genau genommen widerspricht das Anbringen konfessioneller religiöser Symbole der Gleichbehandlung aller Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, wie sie in Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention, die in Österreich Verfassungsrang hat, und dem Artikel 7 der Österreichischen Bundesverfassung festgehalten ist.
Zynisch könnte man jetzt den Witz vom jüdischen Schüler in der Klosterschule erzählen: Plötzlich verbessern sich seine Leistungen in Mathematik radikal. Warum? Der Schüler ängstlich: “Die haben schon einmal einen von den unseren ans Plus genagelt…!”
Gar nicht so lustig: Für Nichtchristen ist das Kreuz Symbol jahrhundertelanger Unterdrückung. Für Juden Symbol eines christlich motivierten Antijudaismus, der letztlich im Antisemitismus des 19. und Holocaust des 20. Jahrhunderts kulminierte. Für Moslems ein Symbol der Greueltaten im Rahmen der zahlreichen Kreuzzüge. Für Atheisten Symbol von Unterdrückung, Gewalt, Ketzerverbrennung. Und Symbol bis heute anhaltenden Unrechts. Denn bis heute werden Ungläubige – auch in Österreich – vom Gesetz benachteiligt. Nur ein Beispiel:
Artikel 2 Zusatzprotokoll zur Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten in der Fassung des Protokolls Nr. 11 – Recht auf Bildung
“Niemandem darf das Recht auf Bildung verwehrt werden. Der Staat hat bei Ausübung der von ihm auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts übernommenen Aufgaben das Recht der Eltern zu achten, die Erziehung und den Unterricht entsprechend ihren eigenen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen sicherzustellen.”
Dies würde genau genommen einen verpflichtenden “konfessionellen” Weltanschauungsunterricht für Atheisten bedeuten. Gibt es den in Österreich? Na eben. Aber das Kreuz soll im Klassenzimmer hängen und zu verunsicherten Fragen der Kinder führen: “Papa, warum ist der arme Mann angenagelt?”…
Wenn die Linzer ÖVP ihren “Kulturkampf” wirklich bis zur letzten Instanz durchzöge, würde sie sich höchstwahrscheinlich wundern: Denn die österreichische Bundesverfassung geht vor Landesgesetzen. Und die Europäische Menschenrechtskonvention ebenfalls. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte könnte da einiges ins Rollen bringen, womit die kirchentreuen “Schwarzen” (die parteipolitische Farbe der ÖVP leitet sich von der Priestersoutane ab) zurzeit nicht rechnen…
Doch das ganze ist ohnehin nur ein Wahlkampfgag. Ein in unserer Gesellschaft leider noch immer wirksamer.
__
* christliches Symbol: Hinrichtungswerkzeug von Jesus Christus, nach christlichem Glauben Sohn Gottes und Gott in einer Person.




in linz, da stinkts!
man nehme sich bitte im heutigen standard die seite 13 zur brust.
wegen 300+ holzkreuzen sollen 9 mio euro (!) den kindergärten in oö vorenthalten werden. wer hat diesen wahnsinn ausgeheckt?
interessant, dass das nicht vom klerus, sondern einer gewissen partei ausgeht.
tipp:
man mache es so wie anno dazumal *in meiner ehemaligen schule: einfach mit einem kisterl von klasse zu klasse gehen, freundlich anklopfen, reinmarschieren, kreuz runterklauben, rein ins kistchen und tschüss. kein lehrer beschwert sich. sie grinsen. im übrigen sind die kreuze schlussendlich in einem kastl im biozimmer gelandet.
wer geht mit mir und nem schraubenzieher der austrian airlines (aka bankrottflieger) ihre edelstahlnirostakreuze abschraufeln?
tagetes, die studentenblume.