AG-ATHE

AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich

Frohe gottlose Weihnachten!

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich, wenn ich die Abschaffung des Konkordats oder das Abhängen der Kreuze im Klassenzimmer fordere, konsequenterweise auch die Abschaffung der christlichen Feste befürworte. – Meine Antwort: „Welche christlichen Feste bitteschön?“

ein Essay von Erich Eder

Geburtstage zu feiern ist eine heidnische Sitte. Erst recht den Geburtstag eines Gottes, so der christliche Kirchenlehrer Origines (185-254 n.Chr.). Denn in der Bibel sind nur „Gottlose und Heiden“ erwähnt, die ihren Geburtstag feiern, etwa Pharao und Herodes.

Trotzdem glauben die meisten Christen, dass am 25. Dezember die Geburt Christi nicht nur gefeiert wird, sondern tatsächlich stattgefunden hat. Das ist aber nicht richtig. Der Geburtstermin Jesu wurde nachträglich festgesetzt, und zwar so, dass er mit zahlenmystischen Überlegungen „theo-logisch“ übereinstimmte – nämlich zu Ostern: „Wie herrlich und göttlich bewährt sich des Herrn Vorsehung darin, das an eben jenem Tage, an dem die Sonne geschaffen ist, Christus geboren wurde: am 28. März, einem Mittwoch“ (De pascha computus, 243 n.Chr.). Aber was hat das mit Weihnachten und dem 24./25. Dezember zu tun…?

Weihnachten ist kein christliches Fest. Ebensowenig wie Hasen oder Ostereier jemals christliche Symbole waren. Weihnachten ist das Fest der wiedergeborenen Sonne: Im Römischen Reich war der Sonnenkult des „sol invictus“ sehr populär. Die Wintersonnenwende fand im julianischen Kalender am 25. Dezember statt, an diesem Tag wurde der „dies natalis“, also der Geburtstag der unbesiegbaren Sonne, gefeiert. Wie so oft, schaffte es die Kirche, sich auch dieses Fest anzueignen und im eigenen Sinne umzuinterpretieren: Jesus Christus wurde als „die wahre Sonne“ proklamiert, der 25.Dezember des „sol invictus“ einfach übernommen. Ab der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts wurde die weit verbreitete Sitte, die Geburt Christi an diesem Tag zu feiern, als offizieller Feiertag übernommen. Von Rom aus verbreitete sich dieser Feiertag schnell weiter und wurde später, ohne Anpassung an die tatsächliche Wintersonnenwende, in den gregorianischen Kalender übernommen.

Warum also sollte ich als Ungläubiger ein Problem mit Weihnachten haben? Jeder Biologe weiß, welch ungeheuerliche Bedeutung der Sonne für unser Leben zukommt. Ohne Licht keine Photosynthese, ohne diese kein Sauerstoff, kein Atmen – keine Kohlenhydrate, keine Nahrung. Wer darüber hinaus an lichtmangelbedingter Winterdepression leidet, verspürt auch am eigenen Leib, am eigenen Seelenleben, dass die Bedeutung des „sol invictus“ weit über die des Licht- und Wärmespenders hinausgeht. – Ein wirklich guter Grund also, jedes Jahr zu feiern, dass es wieder bergauf geht. Dass der kürzeste Tag, die längste Nacht überwunden sind, der Frühling zwar noch weit, aber ab jetzt von Tag zu Tag deutlicher zu ahnen ist.

Wenn die christlichen Kirchen es geschafft haben, sich auf die alten „heidnischen“ Feste „draufzusetzen“, dann müssten wir Ungläubigen das mit den christlichen Festen genauso gut können und dürfen. Setzen wir uns also ungeniert aufs Weihnachtsfest drauf, machen wir aus ihm ein wahres Fest des Lichtes, der Kinder und der Liebe! Für Aufklärung, Freiheit, Toleranz brauchen wir das Christentum nämlich nicht: Im Gegenteil, es hat sich jahrhundertelang bemüht, ebendiese zu verhindern. Und für Kindererziehung und zum Feiern schon gar nicht. Das können wir auch so. Vielleicht sogar besser.

Ich gestehe: Mein gottloser Weihnachtsbaum reicht bis zur Decke. Warum sollte ich seine Kerzen nicht anzünden dürfen, in Vorfreude auf die bald länger werdenden Tage? Außerdem: Auf „Christ“bäumen habe ich sowieso noch nie ein Kreuz hängen gesehen…!

Erich Eder ist Präsident der AG-ATHE (AgnostikerInnen und AtheistInnen für ein säkulares Österreich, www.ag-athe.at)

24. Dezember 2009 » Erich Eder » Allgemein, Atheismus, Bildung

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