Wann beginnt die Mitverantwortung
Dass die römisch katholische Kirche derzeit in einer Krise steckt ist nicht zu übersehen. Was da alles ans Tageslicht kommt, ist für einen befangenen Beobachter wie mich nicht weiter erstaunlich. Die Presse und die Gesellschaft im allgemeinen spekulieren derzeit, welche Konsequenzen die Kirche aus den Vorfällen in Deutschland, Österreich, Irland und sicher auch anderswo denn ziehen wird. Viel interessanter fände ich jedoch die Diskussion, welche Konsequenzen wir, als Gesellschaft, denn ziehen werden.
Immerhin unterstützen wir mit unseren Steuern ja die Kirche. Damit stützen wir auch direkt eine hierarchisch-patriarchische Institution, die nicht nur grobe Vergehen gegen unsere Mitbürger jahrelang vertuscht hat, sondern sich auch heute nicht in der Lage sieht, diese Verfehlungen einzugestehen. Nein, diese Organisation besitzt sogar die Dreistheit, einen allgemeinen Werteverfall und konkret Atheisten in der Welt für ihre eigenen Verfehlungen verantwortlich machen zu wollen.
Eine solche Institution, die nicht nur geschichtlich viel Dreck am Stecken hat, sondern nunmehr bewiesen hat, dass es sich eben nicht nur um geschichtliche Verfehlungen handelt, dürfen wir weder als Gesellschaft noch als einzelne fördern.
Die Gesellschaft ändert sich nur langsam, einzelne können jedoch schneller Konsequenzen ziehen. Einzelne müssen dies sogar tun, wenn sich die Gesellschaft als ganzes ändern soll. Daher ist die Frage legitim, inwieweit Personen, die nach den letzten Vorkommnissen noch nicht aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten sind und damit diese Institution weiter stützen, sich an deren Taten mitschuldig machen.
Um einen Vergleich zu ziehen: Wenn ich einem Vergewaltiger dabei helfe, sich der Polizei und den Gerichten zu entziehen, so mache ich mich der Beihilfe schuldig. In seinem solchen Fall erwartet mich ebenfalls ein Strafprozess.
Heute ist klar, dass die Kirche sich mindestens der Beihilfe schuldig gemacht hat. Manche, darunter auch ich, würden sogar behaupten, dass sich die Kirche des Kindesmissbrauchs selbst schuldig gemacht hat, da ihre Dogmen (Zölibat) mit zu den Ursachen zählen. Wenn dem so ist, dann machen sich aber auch all jene der Beihilfe schuldig, die nicht aus der Kirche austreten, und dieser damit weiter dabei helfen, sich der Verantwortung zu entziehen.
Während dies aus juristischer Sicht vielleicht nicht haltbar wäre, ist es aus moralischer Sicht durchaus legitim. Aus diesem Grund erlaube ich mir erneut, jedermann zum Kirchenaustritt aufzufordern. Eine Entschuldigung, dies nicht zu tun, gibt es aus meiner Sicht nicht mehr.
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